Es ist schon ein wenig her – es war im November 2002 – dass sich in der FH für Rechtspflege des Landes NRW in Bad Münstereifel – aus damaliger Sicht – sechs Exoten aus verschiedenen Bundesländern getroffen haben, um sich über eine länderübergreifende Lernplattform auszutauschen.
Allein der Gedanke, das sogenannte ‘E-Learning‘ könnte ein probates Mittel sein, um erfolgreich abstraktes Wissen ‘an den Mann zu bringen‘, wo doch der Unterricht im Lehrgruppenraum mit dem persönlichen Kontakt zum Dozierenden die bisher einzig erfolgversprechende Lehrform zu sein schien – das war eine Revolution, wenn nicht sogar eine Revolte gegen alles Dagewesene in der Fachhochschullehre.
Und dennoch, die sechs Pharisäer, die im November 2002 in Bad Münstereifel zusammenkamen, hatten eine gemeinsame, trotz aller unterschiedlichen Ansätze und Erfahrungen einende Überzeugung: neue Wege bieten Chancen und sind weiß Gott den Versuch wert, es auszuprobieren.
Wenn ich mir heute vor Augen führe, in welchen Kinderschuhen die digitale Lehre vor nunmehr 24 Jahren steckte, dann war der Gedanke, die unterschiedlichen Ansätze und Erfahrungen in den Bundesländern zu bündeln und eine gemeinsame Lern- + Lehrplattform zu installieren, mehr als mutig: Allein schon die Absicht, Individualinteressen von Fachhochschulen verschiedener Bundesländer auf einen Nenner zu bringen, erschien eo ipso absurd.
Letztlich ist es der Beharrlichkeit und Überzeugungskraft der in Bad Münstereifel gegründeten „AG E-Learning“ und ihrer Protagonisten zu verdanken, dass auf der ILIAS-Lernplattform der „Bundesarbeitsgemeinschaft digitale Lehre an den Hochschulen für den öffentlichen Dienst“ alle 16 Bundesländer heute mit 40 Hochschulen sowie assoziierten Bundes- + Länderinstitutionen zusammenarbeiten und digitale Lehr- und Lerneinheiten für über 60.000 NutzerInnen jederzeit abrufbar zur Verfügung stehen.
An dieser Stelle darf nicht unerwähnt bleiben, dass dieser Weg ohne die Unterstützung der Rektorenkonferenz der Fachhochschulen für den öffentlichen Dienst nicht möglich gewesen wäre. Das Vertrauen der Rektorenkonferenz in die Gründer der damaligen ‘AG E-Learning‘ und später in die Protagonisten und verantwortlichen DozentInnen der ‘BAG digitale Lehre‘ hat sich mehr als ausgezahlt.

(bei der 10. Jahreskonferenz 2010 in Berlin)
Dabei ist die Qualität digitaler Lehre von den Anfängen bis heute rasant gestiegen und optimiert sich stetig. Und in den Hochzeiten der Corona-Pandemie konnte digital basierte Lehre unter Beweis stellen, was sie leisten kann. Ich selbst bin mittlerweile im sog. Ruhestand, aber immer noch am digitalen Ball, der seine Faszination für mich nicht verloren hat. 2002 – auf der Gründungssitzung der AG E-Learning – hätte ich mir nicht vorstellen können, selbst juristische Prüfungen digital abzunehmen; aber es klappt perfekt und ich habe es in Teilen selbst organisiert und mit Erfolg umgesetzt.
Die FH Bad Münstereifel war und ist ein Stein im Puzzle der digitalen Lehre. Ich darf ihr an dieser Stelle meinen Dank und Anerkennung aussprechen und gratuliere zu 50 Jahren erfolgreicher Wissensvermittlung!
Wolfgang Liethmann
Dekan a.D. des Fachbereichs Steuer der FHVD Altenholz
Medien – + Projektberatung zu digitalen Lehr- und Lernmedien


Schreibe einen Kommentar