1997

Eindrücke und Erlebnisse eines Neuanfangs

Prof. Dr. Ingo Fritsche

Kurz nach dem 15. Juli 2021 sahen wir mit Entsetzen die Berichte über die Zerstörungen, die das Hochwasser in der historischen Innenstadt von Bad Münstereifel angerichtet hatte, und es war uns ein Bedürfnis, zu der von Kollegen der FHR organisierten Spendenaktion beizutragen.

Meine Gedanken gingen dabei zurück in das Jahr 1997. Damals begann für mich ein neuer Lebensabschnitt, der 18 Jahre dauerte und mit der Berufung in eine Professur an der FHR – zunächst auf Probe und später auf Lebenszeit – eingeleitet wurde. Für mich und sicher auch für die Hochschule war das durchaus keine Routineentscheidung, denn hier bewarb sich jemand, der seine berufliche Laufbahn in der DDR begonnen hatte: mit dem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Jena, dort promoviert und habilitiert worden war und dann bis zur Wiedervereinigung als Hochschullehrer für das Zivil- und Zivilprozessrecht tätig gewesen war. Unser Studium erfolgte noch am BGB und der ZPO, später begleitete ich die Einführung des Zivilgesetzbuches von 1976 in den Studienprozess.

Der folgende Umbruch in der beruflichen Laufbahn bedeutete anschließend für sechs Jahre eine Tätigkeit als Rechtsanwalt, dann als Mitarbeiter und Vorsitzender eines Widerspruchsausschusses im Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen Brandenburg. Die Aufarbeitung dieser Materie, darunter die Entscheidungen zur Wiedergutmachung von Vermögensverlusten jüdischer Verfolgter, hinterließ tiefe Eindrücke. Die zu bearbeitenden Fälle dokumentierten, mit welcher Brutalität das Naziregime jüdische Mitbürger ausplünderte, bevor sie in die Emigration oder in die Vernichtungslager geschickt wurden. So etwas darf in Deutschland nie wieder geschehen. Gleichzeitig gaben die Entscheidungen zur Rückübertragung von Vermögensverlusten in der Zeit der DDR für mich Anlass zur kritischen Auseinandersetzung mit den Problemen fehlender Rechtsstaatlichkeit und Willkür in der nachfolgenden Zeit.

Den Gremien der Hochschule und dem damaligen Direktor, Herrn Allolio, bin ich verbunden, dass sie meine Bewerbung unterstützt und nachhaltig verfolgt haben. In Erinnerung ist mir geblieben, dass das Kollegium mir bei der Einarbeitung in die neuen Aufgaben der Lehre viele Hinweise, Skripte und andere Unterlagen, z. B. zur Erstellung von Fällen und Klausuren und bei der Bewertung der studentischen Leistungen, zur Verfügung gestellt hat. Die Beratungen und Diskussionen mit den Kolleginnen und Kollegen Dyrchs, Conzen, Klinkenberg, Walter und anderen waren von sachlicher Lösungsorientierung getragen; mit den Kollegen Dormann und Schmidt arbeitete ich bald bei der Entwicklung von IT-Lösungen und Beiträgen zur Gestaltung des Internetauftritts der Justiz NRW zusammen.

Die FHR hatte schon damals auch in wissenschaftlicher Hinsicht einen guten Ruf, und das hat mich zu Veröffentlichungen und zu Beiträgen an Kommentaren nachhaltig motiviert. Lehre, Veröffentlichungen und Mitwirkung an der Entwicklung der Justizpraxis bildeten ein gemeinsames Fundament der Hochschule und haben auch meine Tätigkeit als Hochschullehrer getragen.

Gute Erinnerungen habe ich auch an das studentische Leben, insbesondere an meine erste Studiengruppe, die sich aus jungen und auch erfahreneren Studierenden zusammensetzte und mit der ich schnell ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen konnte.

Nicht selten habe ich – besonders, wenn es mir nicht möglich war, an den Wochenenden in meine Heimatstadt zu pendeln – die Natur der Eifel bei Wanderungen in der näheren Umgebung erschlossen, um Kraft zu schöpfen, und bin durch das schöne Bad Münstereifel und seine Parkanlagen gebummelt.

Prof. Dr. Ingo Fritsche

Professor an der FHR NRW i. R.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert