Die (Fach-)Hochschule aus drei Perspektiven
Teil 1 von 3
Als ich 1995 in der 12. Klasse war, habe ich meine Berufsorientierungswoche bei einem Richter gemacht, da ich mir damals durchaus gut vorstellen konnte, Jura zu studieren. Ich wurde einen Tag zu einem Rechtspfleger geschickt. Das war das erste Mal, dass ich von diesem Beruf hörte. Ich weiß heute noch, wer das war, und ich bin ihm am OLG Köln auch öfter über den Weg gelaufen und habe ihm das auch „vorgehalten“ – schicksalhaft, auch wenn ich das damals noch nicht wusste.
Ich habe mich dann (etwa im Frühjahr 1995) für die Einstellung im August 1996 beworben; aktuell, 30 Jahre später soll eine Bewerbung für das Jahr 2026 noch im März 2026 möglich gewesen sein – damals undenkbar. Ich war noch nicht ganz sicher bei der Bewerbung und dachte, dass ich noch ein Jahr Zeit hätte, da es die Wehrpflicht gab (vielleicht gibt es sie ja bald wieder …?!). Ich wurde zum Vorstellungsgespräch in das Oberlandesgericht nach Köln (ein)geladen. Als ich vor diesem unglaublichen schönen Gebäude stand, wusste ich, dass ich hier arbeiten wollte. Die einzigen zwei Dinge vom Bewerbungsgespräch, an die ich mich noch erinnern kann, sind ein Diktat über das Grundbuch und dass ich mich mit Herrn Geilenkirchen bzw. mit der Gräfin von Schwerin über Überraschungseierfiguren unterhalten habe, weil ich die damals gesammelt habe und das Kind eines der „Prüfenden“ auch (viele habe ich heute noch, irgendwo verpackt; heutzutage aber nicht mehr en vogue).
Anscheinend lief es nicht allzu schlecht, denn im Dezember 1995 bekam ich gleich zwei Mal Post. Das OLG teilte mir mit, dass es mich haben wollte, die Bundeswehr verkündete das Gegenteil. Ich musste mich daher binnen 2 Wochen entscheiden, was ich machen wollte. Die Alternative war Jura. Ich entschied mich für die Rechtspflege in Bad Münstereifel, da ich so reinschnuppern konnte, ein Jahr gespart hatte und nachher ja immer noch Jura studieren könnte.
Nach dem Abitur im Frühjahr 1996 fing der Einführungsmonat in Köln im August 1996 an, bevor es im September in die Eifel ging – eine neue Zeit, „weg von zu Hause“. Dafür musste ein Auto her, sodass in der Zeit bis zum Beginn noch fleißig Geld verdient werden wollte/musste. Meinen gerade erst angeschafften 50er-Roller wollte ich aber nicht abgeben… so hatte ich zwei Vehikel.
Ich fand das Campusleben damals „herausragend“. Man musste zwar viel lernen, aber es gab auch Partys. Partys, die keine zeitliche Begrenzung hatten, sodass es auch mal vorkam, dass man eine Nacht durchmachte (war aber die absolute Ausnahme). Eierbacken mit Dozenten nach den Partys gab es damals schon. Die Kicker-Duelle mit damaligen Dozent*inn*en (heute Kolleg*inn*en) ebenfalls. Wir waren überwiegend in Doppelzimmern untergebracht! Wenn beide Betten unten waren (ja, man musste die hoch- und runterklappen), waren noch ca. 20-30 cm Platz zwischen den Betten. Ich hatte das Glück, dass mein Zimmernachbar (hi Ralf) aus Euskirchen kam und daher öfter nicht da war. Es gab Gangtoiletten und -duschen; letztere sind nach erfolgreichen Fußballspielen (beispielsweise gegen die JVA Rheinbach oder Euskirchen) auch schon mal „umgewidmet“ worden, sodass der Bierkasten vor Ort geleert wurde. Hier (an der HS, nicht in der Gangdusche) wurden (und werden) Freundschaften fürs Leben geknüpft… (manchmal auch mehr).
Vor Klausuren kam es auch vor, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von uns am Wochenende in der Eifel blieb, wobei sich Lernen und Feiern in etwa die Waage hielten. Damals gab es sogar eine Disco in Bad Münstereifel (irgendwo hinterm Schwimmbad).
Im Laufe des ersten Jahres durften wir eine Studienfahrt machen/organisieren. Es gab Ziele wie Edinburgh und New York – ja, New York. Das kostete damals zwar 1.000 D-Mark für die Woche, aber es war das erste Mal außerhalb von Europa für mich (und sollte es danach auch für über 20 Jahre bleiben). Bis dahin musste aber Studium I noch vollbracht werden. Im Herbst 1997 ging es dann nach New York – mit zwei Dozenten, Herrn Prof. Dr. Metzen und Herrn Schneider (später Professor an der HWR in Berlin). Es war eine unvergessliche Woche (nachzulesen im Heft des Abschlussjahrgangs 1999; Grüße an unsere Reiseleitungen, Jens und Ina).
Bis Studium III kämpften wir uns durch und halfen uns gegenseitig; die wöchentlichen Treffen zum Schauen der damals neuen Serie „TV total“ mit Stefan Raab gehörten zu den absoluten Highlights.
1999 war es dann zu Ende. Die meisten fingen bei Gerichten an. Ich hatte lange überlegt und mich dann doch noch für das Jura-Studium entschieden, wie ein paar andere auch. Auf der Abschlussfeier sagte ich damals zu Frau Walter, dass ich gerne mal Kollege werden würde (ob sie das damals richtig ernst genommen hat… wer weiß das schon).
Intermezzo – Studium
Nicht so schön verschult wie in Bad Münstereifel, aber wir – PDFE (Prof. Dr. Frank Els, Anm. der Red.) und ich – haben es geschafft (wenn wir zwischendurch auch des Öfteren „rumgeheult“ und uns gefragt haben, ob die Entscheidung richtig war – und jaaaa, war sie!).
Teil 2 von 3
Nach Abschluss des Referendariats 2006 ging es dann nach einem kurzen Stelldichein als Rechtsanwalt 2007 beim Landgericht Köln (erst ca. 4 Monate in einer Baukammer, dann zwei Monate in einer Berufungskammer), später beim Amtsgericht Köln als Richter los. Schon im August 2009 ging es wieder an die Fachhochschule… dieses Mal als abgeordnete Lehrkraft. Es war eine tolle Zeit, die ich genossen habe. Ich habe mich bereits nach einem Jahr entschieden, dass ich nebenbei promovieren möchte, um die Möglichkeit zu haben, dauerhaft hier arbeiten zu können. Gesagt, getan. Anfang 2013 war die Promotion durch. Bis Ende 2013 blieb ich hier, bevor es zurück in die Praxis ging, in der ich u.a. als Nachlassrichter tätig war. Und das war … im Gebäude des OLG Köln, sodass sich mein Wunsch von oben erfüllt hat. Es war ebenfalls eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte und die für meine heutige Tätigkeit als Dozent im Nachlassrecht und Fachleiter für IPR sehr wichtig ist. Der Bezug zur Praxis geht zwar mit der Zeit immer mehr verloren – aber nicht ganz, denn es kommen aufgrund von Fortbildungen für die Praxis immer wieder Emails/Anrufe, wenn es mal im IPR „nicht weiter geht“.
Teil 3 von 3
Ende 2015 war es dann endlich so weit: Nach erfolgreich abgeschlossenen Bewerbungsverfahren durfte ich als Professor an die Fachhochschule zurückkehren. Ich übe diesen Beruf nunmehr seit über 10 Jahren aus (jetzt an der Hochschule) und ich kann mir keinen (na gut, sagen wir kaum einen) besseren vorstellen. Es wird zwar vieles nicht einfacher – nach Corona, im digitalen Zeitalter und mit KI, aber es bleibt spannend und der Job als Wissensvermittler ist halt einfach „mein Ding“ (zumindest subjektiv; aus meiner Perspektive gesehen).
Wer weiß, ob man mich in 10 Jahren noch braucht oder ob dann ein Avatar meinen Job übernommen hat… wir werden es sehen – vielleicht…
Mit der Hochschule verbindet mich sehr viel – ich verdanke Ihr viel. Sie begleitet mich seit über 30 Jahren, ist mir ein Stück Heimat geworden. Dafür möchte ich ihr und allen, die daran (wie auch immer) mitgewirkt haben, danken! Dankeschön!
Prof. Dr. Markus Lamberz
Professor an der Hochschule der Justiz Nordrhein-Westfalen


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