Woran ich mich erinnere:
Fußballweltmeisterschaft 1990
Wer mich kennt weiß, dass ich, die sich bei Sportfesten allenfalls um Kugelstoßen und damals noch „Radfahren auf der Rolle“ qualifiziert hat, dieses sportliche Großereignis sicher nicht als Erstes im Blick habe. Aber darauf komme ich später zurück.
Kontaktstudienwoche im Mobiliarvollstreckungsrecht
Im Frühjahr 1990 fand die erste Kontaktstudienwoche statt zum Thema Mobiliarvollstreckung. Diese sollte dem Austausch zwischen Studierenden der Fachhochschule und „Praktikern“ zu der genannten Thematik dienen. Als Lehrkraft in den begleitenden Lehrveranstaltungen bei dem Oberlandesgericht Köln und als Rechtspflegerin bei dem Amtsgericht Euskirchen war ich u. a. mit Vollstreckungssachen befasst und erhielt daher die Gelegenheit hieran teilzunehmen. Nach Euskirchen war ich 1989 nach einigen Jahren der Tätigkeit bei dem Landgericht Bonn gewechselt, um meinem schon seit meiner eigenen Studienzeit gehegten „Herzenswunsch“ einer Lehrtätigkeit an der Fachhochschule durch eine Tätigkeit bei einem Amtsgericht eine breitere Basis zu verschaffen. Geleitet wurde dieser Austausch u. a. von Herrn Napierala und Herrn Söffing, die noch 1990 meine Kollegen werden sollten. Zu dieser Zeit hatte ich mich bereits um eine Stelle als Dozentin an der Fachhochschule beworben und entsprechend neugierig und aufgeregt habe ich an diesem Austausch teilgenommen. Anlässlich eines gemeinsamen Abschlussessens, an dem auch Herr Allolio teilnahm, sagte dieser zu mir, dass wir uns „demnächst ja vielleicht noch öfter sehen würden“. Diese Aussage weckte bei mir gewisse Hoffnungen.

Erfolgreiche Bewerbung
Im Rahmen meines Vorstellungsgespräches wurde ich auch nach meiner Motivation für diese Bewerbung gefragt. Ich erinnere mich gut, dass ich hier auch auf meinen seit meiner eigenen Schulzeit bestehenden Wunsch nach einer Lehrtätigkeit hingewiesen habe. In vielen späteren Bewerbungsgesprächen, an denen ich als Gleichstellungsbeauftragte teilgenommen habe, habe ich diesen Satz: „Eigentlich wollte ich Lehrer/Lehrerin werden.“ immer wieder gehört. Aus eigener Erfahrung konnte ich das gut nachvollziehen. Meine Bewerbung war erfolgreich und so durfte ich am 1. August 1990 meine Lehrtätigkeit an der Fachhochschule beginnen. Ich war für die Fächer Kostenrecht, Nachlassrecht und Wirtschafts- und Bilanzkunde vorgesehen. Den Fachleitungen für diese Fächer war ich für ihre Unterstützung sehr dankbar. Insbesondere das letztgenannte Fach forderte mich sehr heraus und so nutzte ich meinen Sommerurlaub zur Einarbeitung in die Verbuchung von Geschäftsvorfällen, die Ermittlung der Eigenkapitalquote und die Analyse einer Bilanz. Ich sehe mich noch heute in einer Ferienwohnung an der Ostsee beim Ausfüllen der Kontenbögen und dem Erfolgsgefühl, wenn denn die Summen auf beiden Seiten übereinstimmten. Und was hat das Ganze mit Fußball zu tun? Mein Mann verfolgte zur gleichen Zeit die Spiele bei der Fußballweltmeisterschaft und ich beschäftigte mich mit dem Studium der verschiedenen Skripten.
Fußballweltmeisterschaft 2026
Mein „Herzenswunsch“ ist in Erfüllung gegangen und ich durfte über 34 Jahre als Lehrkraft an der Fachhochschule tätig sein. Die Fußballspiele in diesem Jahr kann ich als Pensionärin nun entspannt verfolgen. Und danach fahren wir wieder an die Ostsee.
Margret Wiesel
Dozentin an der FHR NRW i. R.


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