Chronik des Fördervereins
Es war einmal … so beginnen viele Märchen. Im Jahr 2012 zeigte sich an der Hochschule, dass Märchen nicht nur erzählt, sondern auch verhandelt werden können – jedenfalls dann, wenn Schneewittchen und Co. in einem Moot Court juristisch aufbereitet werden. Doch verlangt es die Sorgfalt eines Chronisten, die Geschichte nicht erst dort beginnen zu lassen, wo sie besonders märchenhaft wird. Ihr Anfang liegt vielmehr im Jahr 1987.
„Vorstehende Satzung wurde heute in das
Vereinsregister unter VR 752 eingetragen.“
Mit diesem knappen Satz des Amtsgerichts Euskirchen vom 11. Dezember 1987 begann die Geschichte des Fördervereins der Hochschule der Justiz. Damals unter dem Namen „Freunde und Förderer der Fachhochschule für Rechtspflege Nordrhein-Westfalen e.V.“ gegründet, trat der Verein offiziell ins Licht der Öffentlichkeit, nachdem bereits im Oktober 1987 insgesamt 35 Vertreterinnen und Vertreter der Lehrenden, Studierenden und Verwaltung die Vereinssatzung gebilligt hatten.
Seitdem gehen die Wege der Hochschule und ihres Fördervereins Hand in Hand – oder, juristischer formuliert: beide befinden sich einer bewährten und auf Dauer angelegten Gemeinschaft. Alle zwei Jahre übernehmen neu gewählte Vorstandsmitglieder die Verantwortung für den Verein. Mit dabei ist kraft Satzung stets auch die jeweilige Sprecherin bzw. der jeweilige Sprecher der Studierenden. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, dort finanzielle Unterstützung zu leisten, wo Haushaltsmittel der Hochschule an ihre Grenzen stoßen. Dem Vereinszweck folgend werden die geistigen, musischen und sozialen Aktivitäten der Studierenden gepflegt und gefördert, sowie die Beziehungen ehemaliger Studierender, ihrer Berufsverbände und Anstellungskörperschaften sowie ehemaliger Dozenten der Hochschule gepflegt.

Märchen-Moot-Court: Der Fall „Schneewittchen“ (2012)
Was daraus in den vergangenen Jahrzehnten entstanden ist, kann sich im Rückblick durchaus sehen lassen. Der Förderverein hat zahllose Projekte ermöglicht und begleitet. Vor Ort an der Hochschule wurden Vorträge organisiert, Webmaster-Kurse unterstützt, Theaterbesuche und Stadtführungen gefördert. Im Jahr 2012 sorgte ein Märchen-Moot-Court weit über die Hochschulgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit und bewies eindrucksvoll, dass auch Schneewittchen und Co. gelegentlich eine juristische Aufarbeitung benötigen.

Fall gelöst: Stiefmutter (Direktorin Dr. Dylla-Krebs) verurteilt
Ein besonderes Anliegen war und ist die Förderung historischer und gesellschaftlicher Bildung. So begleitete der Förderverein die Entstehung einer multimedialen Ausstellung über Friedrich Kellner und die Rolle der deutschen Justiz während des Nationalsozialismus von Beginn an und unterstützte Studierende bei der Erarbeitung der Inhalte. Die digitale Ausstellung über das Leben und Wirken Kellners, die man online über justiz.nrw abrufen kann, ermöglicht es, sich auch heute noch interaktiv mit Themen wie Euthanasie, Holocaust und Kriegsalltag auseinanderzusetzen.
Davon, dass Bildung nicht ausschließlich in Hörsälen stattfindet, war der Förderverein stets überzeugt. Um den Blick über den Tellerrand und gelegentlich auch über die Grenzen des Studienalltags hinaus zu erweitern, wurden Fahrten zu Musicals nach Köln, Museumsbesuche in Bonn sowie Exkursionen zu den Weihnachtsmärkten in Aachen und Bonn organisiert. Regelmäßig standen auch Besuche des Astropeilers Stockert und der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang auf dem Programm. Zu den liebgewonnenen Traditionen gehört die jährliche Weinfahrt zur Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr. Weder Pandemie noch Flutkatastrophe konnten dieser Veranstaltung dauerhaft etwas anhaben. Wanderung, Weinprobe und gute Gespräche bieten Jahr für Jahr Gelegenheit, sich abseits von Vorlesungen, Klausuren und Gesetzestexten auszutauschen – ein Angebot, das erfahrungsgemäß großen Zuspruch findet.
Neben kulturellen Aktivitäten lag dem Förderverein stets auch das körperliche Wohlbefinden der Studierenden am Herzen. Schließlich arbeiten Körper und Geist bekanntlich am besten im Team. Daher wurden über viele Jahre hinweg zahlreiche sportliche Aktivitäten unterstützt. Besonders hervorzuheben ist das jährlich stattfindende Sportfest, für das der Förderverein regelmäßig Sportgeräte sowie Preise für die erfolgreichsten Studiengruppen bereitstellt. Darüber hinaus wurden die Fitness- und Sporträume der Hochschule mit Geräten und Hanteln ausgestattet, Schrittzählwettbewerbe organisiert, sportliche Wettkämpfe mit Justizvollzugsanstalten und anderen juristischen Einrichtungen gefördert sowie Yoga-Kurse angeboten. Tischtennisplatten, Billardtisch und Kicker fanden ihren Weg genauso auf den Campus wie Trikots, Pokale und Auszeichnungen für Dozenten- und Studierendenmannschaften. Kurzum: Wer sich zwischen den Lernphasen sportlich betätigen wollte, fand dafür stets beste Voraussetzungen vor.
Wo Tag für Tag gemeinsam gelernt und wissenschaftlich gearbeitet wird, darf natürlich auch gemeinsam gefeiert werden. Ob für die Sportfestparty ein DJ engagiert werden musste oder Karnevalsveranstaltungen mit Dreigestirn und Auftritten von Tanz- und Musikgruppen zu organisieren waren – auf den Förderverein war stets Verlass. Über viele Jahre hinweg organisierte er zudem alle vier Jahre ein Ehemaligenfest. Nachdem das Interesse hieran nachließ und die Veranstaltung im Jahr 2016 eingestellt wurde, entwickelt sich derzeit das Campus-Fest zu einem würdigen Nachfolger. Es wird von engagierten Hochschulangehörigen organisiert und vom Förderverein unterstützt. Dass im Rahmen dieses Campus-Festes auch die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Hochschule stattfinden, unterstreicht einmal mehr die enge Verbundenheit zwischen Hochschule und Förderverein.
Die Liste der geförderten Projekte ließe sich noch lange fortsetzen. Stellvertretend sollen zum Abschluss noch zwei besonders sichtbare Beispiele genannt werden: die in Eigenarbeit von Vorstandsmitgliedern und Studierenden errichtete Grillhütte sowie die auf dem Hochschulgelände entstandene Calisthenics-Anlage. Beide erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit. Die eine sorgt für gesellige Stunden, die andere dafür, dass die dabei aufgenommenen Kalorien auch wieder abgebaut werden können.
All dies wäre ohne das Engagement zahlreicher ehrenamtlich tätiger Lehrender, Studierender und Verwaltungsmitarbeitender nicht möglich gewesen. Sie haben über viele Jahre hinweg Zeit, Ideen und Tatkraft ehrenamtlich in den Dienst des Vereins und damit auch der Hochschule gestellt. Gleichzeitig wäre eine Förderung ohne die vielen Mitglieder nicht möglich gewesen, die dem Förderverein teils über Jahrzehnte die Treue gehalten und durch ihre Unterstützung zahlreiche Projekte erst ermöglicht haben.
Ihnen allen gilt unser herzlicher Dank. Sie haben dazu beigetragen, dass der Förderverein seit fast vier Jahrzehnten weit mehr ist als nur ein eingetragener Verein – nämlich ein lebendiger Teil der Hochschule. Die Geschichte des Fördervereins ist zugleich ein Stück Hochschulgeschichte – und wird es hoffentlich auch in den kommenden Jahrzehnten bleiben.
Für den Vorstand des Fördervereins
Prof. Dr. Christoph Neukirchen
Professor an der Hochschule der Justiz Nordrhein-Westfalen


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